• Daniel

Ton ab! – Podcast-Anleitung in 5 Schritten

Aktualisiert: Juni 22

Podcasts sind beliebt wie nie zuvor. Zum größten Teil werden sie im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bahn, Bus oder Flugzeug gehört. Genau dort sind wir aber auch vielen externen Störgeräuschen ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass der Podcast für den Zuhörer auch dann noch angenehm zu verstehen ist. Der Zuhörer möchte in den Podcast bestenfalls einsinken, abschalten und seine Gedanken für einen Moment loslassen. Eine angenehme, wohlklingende Sprecherstimme ist dabei ein entscheidender Faktor. Für einen professionellen Podcast gibt es viele Dinge zu beachten. In dieser kurzen Zusammenfassung möchte ich dir die 5 wichtigsten Schritte für die Aufnahme eines Podcasts erläutern.

#1 Mikrofonauswahl

Das Mikrofon steht am Anfang jeder Aufnahmekette und entscheidet maßgeblich über die weitere Qualität deiner Aufnahme. Die Auswahl an Mikrofonen ist riesig. Das Budget reicht von 50 bis 5000 Euro. Um dir die Entscheidung etwas zu erleichtern, müssen wir zunächst zwischen zwei Arten von Mikrofonen unterscheiden, die für Podcasts zum Einsatz kommen.

Standmikrofone und Clip-Mikrofone

Standmikrofone sind in Sachen Qualität nicht zu schlagen und geben der Stimme eine schöne Wärme sowie Fülle. Gleichzeitig muss aber darauf geachtet werden, dass der Abstand vom Sprecher zum Mikrofon bei der Aufnahme nicht zu sehr variiert. Für manche Sprecher wirkt sich das negativ auf die Bewegungsfreiheit aus. Zudem können Standmikrofone i.d.R. nicht direkt an einen Laptop,Tablet o.ä. angeschlossen werden und benötigen ein sogenanntes Interface, welches das Mikrofon mit Strom versorgt.

Mikrofone die zusätzlich Strom benötigen sind unter dem Begriff „Kondensatormikrofon“ bekannt. Vorteile Standmikrofon: + Aufnahmen im Studio oder von Zuhause + Sehr gute Klangqualität Nachteile Standmikrofon

- Flexibilität - Zusätzliches Interface Empfehlungen für Standmikrofone Rode NT1-A Com­plete Vocal Bundle Shure SM 7B Studiomikro


Clip-Mikrofone eignen sich super für flexible Aufnahmen unterwegs, sind dabei schnell verstaut und werden einfach per Plug&Play angeschlossen. Das Mikrofon wird dabei i.d.R. an der Brust des Sprechers befestigt und mit einem Kabel am Endgerät (Laptop, Tablet o.ä.) angeschlossen. Einziger Nachteil ist die schlechtere Qualität der Aufnahme. Clip-Mikrofone klingen nicht so warm und voll wie Standmikrofone. Vorteile: + Mehr Bewegungsfreiheit für den Sprecher + Flexibel einsetzbar + Keine Stromzufuhr nötig + Easy Plug&Play Nachteile - Klangqualität Empfehlung für Clip-Mikrofone Rode SmartLav+ DPA d:vote Core 4099 Guitar

Fazit:

Eine engere Auswahl an potentiellen Mikrofonen lässt sich durch konkrete Anwendungsbeispiele vornehmen. Der Preis ist hier nicht immer ausschlaggebend. Ab circa 80 Euro bekommt man ein solides Clip-Mikrofon und ab 200 Euro ein Standmikrofon. #2 Interface

Als nächstes in der Aufnahmekette kommt das Interface ins Spiel. Es wirkt als Schnittstelle zwischen Mikrofon und Endgerät (Laptop) und nimmt das Signal vom Mikrofonkabel entgegen, wandelt es in ein digitales Signal um und leitet das digitale Signal weiter an deinen Laptop.

Aber warum kann ich mein Mikrofon nicht einfach direkt an einen Laptop anschließen?

Nun, zum einen hat das Mikrofonkabel ein besonderes Kabel (XLR), welches sich nicht so einfach an deinen Laptop anschließen lässt. Des Weiteren gibt es sogenannte „Kondensator-Mikrofone", die nur mit zusätzlicher Stromzufuhr funktionieren (siehe oben „Mikrofonauswahl“). Das Interface dient also auch als Stromquelle für Kondensator-Mikrofone. Ein weiterer Punkt ist die bessere Signalverarbeitung deiner Stimme über ein Interface. Die Qualität der Aufnahme wird besser verarbeitet.

Auch die Auswahl an Interfaces ist riesig und überfordert den Laien schnell.

Meine Empfehlung ist hier das Steinberg UR22 MK2 mit zwei Mikrofon-Anschlüssen, Stromzufuhr und einer super Signalverarbeitung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top.

Fazit:


Das Interface hat die Funktion einer zusätzlichen Soundkarte. Es steigert die Soundqualität der Aufnahme und dient als Stromquelle für Kondensator-Mikrofone. Aber es können auch andere, wie beispielsweise Clip-Mikrofone an ein Interface angeschlossen werden.

#3 Software


Der nächste Schritt in der Aufnahmekette ist die Aufnahme deiner Stimme mit einer Software (auch DAW = Digital Audio Workstation genannt). Hier wird das Signal vom Mikrofon über das Interface in die Software eingespeist. In der Software kann die Aufnahme dann gespeichert und editiert werden. Für die Bearbeitung deiner Aufnahme gibt es einige kostenpflichtige, aber auch kostenfreie Programme, wie z.B. Audacity, welches ich für den Einstieg sehr empfehlen kann. Die Software von Audacity kannst du direkt auf der Website herunterladen: www.audacity.de Aber warum genau benötigt man für eine professionelle Aufnahme eine zusätzliche Software?

Nun, es gibt mehrere wichtige Gründe dafür. Schneiden: Nicht jeder Podcast wird in einem Cut aufgenommen. Sprich, es werden mehrere Parts wie bspw. Intro, Hauptteil und Schluss aufgenommen. Diese müssen dann am Ende zusammengeschnitten werden. Störgeräusche: Mit einer Software wie bspw. Audacity kannst du ungewollte Störgeräusche wie bspw. Trittschall, Rauschen oder ähnliche Störfaktoren minimieren oder zum Teil ganz aus deiner Aufnahme löschen und so deine Aufnahme säubern.

Lautstärke: Ein professioneller Podcast sollte in seiner Lautstärke (Dynamik) konstant gleich bleiben und von der Lautstärke nicht hin und her schwanken.

Stell dir vor, du fährst im Auto auf der Autobahn und musst ständig dein Radio lauter oder leiser regeln, weil die Stimme dich entweder anbrüllt oder du sie nicht richtig verstehst.

Fazit:

Die Audiobearbeitung mit einer Software ist ein sehr komplexes und zeitintensives Thema. Aus eigener Erfahrung wird die Aufnahme durch Unerfahrenheit oftmals sogar „verschlimmbessert“, also eher schlechter als besser gemacht. Für einen professionellen Podcast ist es aber erst einmal wichtig zu verstehen, warum eine nachträgliche Bearbeitung einer Aufnahme von so hoher Bedeutung ist. Mit diesem Verständnis kann man sich im Nachgang an einen professionellen Tonmeister bzw. Sound/Audio-Engineer wenden, der sein Handwerk versteht. Zum Überblick über die verschiedenen Schritte einer Audio-Bearbeitung habe ich hier folgende Artikel zur Verfügung gestellt. https://www.delamar.de/mixing/podcast-stimme-verbessern-51910/

#4 Raumakustik

Das nächste Thema in der Aufnahmekette beschäftigt sich mit der Raumakustik. Vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr der Raum über die Qualität einer Aufnahme entscheidet und warum das so ist.

In professionellen Aufnahmestudios sind die Wände mit sogenannten Absorbern bestückt. Diese sind meist aus schwarzem, porösen Stoff und hängen an den Wänden. Sie absorbieren jegliche Form von Schallwellen, die wir (beispielsweise mit unserer Stimme) produzieren. Werden diese Schallwellen durch harte Wände oder große Fenster reflektiert, entsteht Hall.

Hall ist für Sprachaufnahmen der Feind, den wir möglichst vermeiden wollen. Hall führt zu einer schlechteren Sprachverständlichkeit. Absorber helfen da sehr gut, weil sie eine harte Reflexion der Schallwellen verhindern und somit den Hall auslöschen.

Keine Sorge, du musst dir jetzt deinen Aufnahmeraum nicht komplett mit Absorbern bestücken. Alternativen können stoffähnliche Möbel, Gardinen, Teppiche, Kissen etc. sein. Sie haben einen ähnlichen Effekt und reduzieren Hall im Raum. Tipp: Durchlaufe deine Aufnahmeräume, klatsch dabei in die Hände und achte auf den Hall. Klingt der Raum groß und hell (ähnlich wie in einer Kirche oder Turnhalle) ist der Raum weniger geeignet.

Fazit:


Wenn du die Auswahl hast, suche dir einen geeigneten Raum oder versuche deinen Raum durch stoffähnliche Gegenstände ein wenig mehr „trocken“ zu bekommen. Besonders die Ecken eines Raumes sollten mit porösen Stoffen abgedeckt werden.

#5 Testaufnahme


Im letzten Schritt kann die Aufnahme starten. Aber bevor du deinen Podcast final aufzeichnest, solltest du ein bis zwei Testläufe vorab durchführen. Nichts ärgert einen mehr, als wenn du nach der Aufnahme feststellst, dass der Podcast furchtbar klingt oder etwas mit der Aufnahme nicht geklappt hat. Checkliste: I. Wähle einen geeigneten Raum für die Aufnahme aus und mach den Klatschtest. II. Check nochmal alle Kabelverbindungen und Signale. III. Schau, ob das Signal auch tatsächlich in der Software aufgenommen wird. IV. Versuche dich so zu positionieren, wie du es in der richtigen Aufnahme auch machen würdest und merk dir diese Position. V. Führe eine Testaufnahme durch und spreche sowohl laut als auch leise in das Mikrofon. So überprüfst du den Pegel. VI: Hör in die Testaufnahme genau rein. Gibt es Störgeräusche wie Rauschen, Piepsen, Straßenlärm oder ähnliches, solltest du dich anders positionieren.

Zusammenfassung und Fazit:

Damit dein Podcast gut klingt, gilt es ein paar grundlegende Dinge zu beachten. - Mikrofonauswahl - Interface - Software - Raumakustik - Testaufnahme Umso besser und sauberer deine Aufnahme, desto intensiver kann sich der Zuhörer auf den Podcast einlassen und wird auch bei der nächsten Podcastfolge wieder einschalten. Mangelnde Sprachverständlichkeit durch Störgeräusche, Hall im Raum oder eine schwankende Lautstärke lenkt den Zuhörer vom Hören ab und sollte möglichst vermieden werden.


Für den schmalen Geldbeutel gibt es bereits ein solides Aufnahme-Equipment.


Die Nachbearbeitung einer Aufnahme (Post-Production) nimmt viel Zeit und Know-How in Anspruch. Hier empfiehlt es sich, die fertige Aufnahme in die Hände eines professionellen Sound-Engineers/Tontechnikers zu geben. Dieser kann dir den letzten Feinschliff für deinen Podcast verpassen und dir ggf. auch noch weitere Tipps für einen noch besser klingenden Podcast mitgeben.

Über unseren Gast-Autor

Dieser Artikel wurde von Jakob Jentsch verfasst. Jakob ist professioneller Sound-Engineer & Produzent und studiert Musik und Ton an der Hochschule der populären Künste in Berlin.


Hast du Fragen, suchst du nach einer kompetenten Beratung oder hast du bereits einen Podcast aufgenommen und möchtest ihn jetzt professionell bearbeiten lassen? Meld dich gerne per E-Mail: jakoblewes@gmail.com



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